Was macht eigentlich ein Röntgen-Bauteilzähler?
Wer elektronische Baugruppen produziert, möchte meistens ziemlich genau wissen, welche Bauteile in welcher Menge verfügbar sind.
Das klingt zunächst selbstverständlich. In der Praxis stimmen der im ERP-System hinterlegte Bestand und die tatsächlich vorhandene Menge allerdings leider nicht immer überein. Bauteile wurden für einen Auftrag entnommen, Restmengen zurückgebracht, Rollen falsch gebucht oder Verbräuche nicht vollständig erfasst.
Spätestens bei der Vorbereitung des nächsten Fertigungsauftrags kann die Abweichung dann zum Problem werden. Laut System müssten genügend Bauteile vorhanden sein, tatsächlich reicht die Restmenge auf der Rolle aber nicht aus. Im ungünstigsten Fall steht deshalb die Produktion still.
Wie wurden Bauteile bisher gezählt?
Bei klassischen Bauteilzählern wird der Gurt einer Rolle über ein Zählwerk geführt. Das Gerät erfasst beispielsweise über die Transportlöcher, wie viele Bauteile sich noch auf der Rolle befinden.
Dieses Verfahren funktioniert, benötigt aber Zeit. Die Rolle muss eingelegt, teilweise abgewickelt und anschließend wieder sauber aufgespult werden. Dabei werden Bauteile und Verpackung zusätzlich gehandhabt.
Für einzelne Rollen ist das meist kein großes Problem. Müssen im Wareneingang, bei der Inventur oder vor der Auftragsvorbereitung regelmäßig viele Rollen kontrolliert werden, entsteht daraus jedoch ein erheblicher Aufwand.
Wie zählt ein Röntgen-Bauteilzähler?
Bei einem Röntgen-Bauteilzähler werden die Rollen in das geschlossene Gerät eingelegt und durchleuchtet. Auf dem Röntgenbild sind die einzelnen Bauteile aufgrund ihrer Materialdichte und ihrer regelmäßigen Anordnung im Gurt erkennbar.
Eine Software wertet das Bild aus und ermittelt daraus die Stückzahl. Die Rolle muss dafür nicht abgewickelt werden. Je nach System können auch mehrere Rollen gleichzeitig sowie Bauteile in Trays oder anderen Gebinden erfasst werden.
Der Bauteilzähler in unserem Portfolio benötigt etwa 10 bis 13 Sekunden pro Rolle und erreicht eine Zählgenauigkeit von mindestens 99,9 Prozent. Er kann Komponenten ab der Baugröße 01005 erfassen. Die konkreten Möglichkeiten hängen allerdings immer vom jeweiligen System, der Verpackungsart und den Bauteilen ab.
Es geht um mehr als schnelleres Zählen
Der größte Vorteil liegt nicht allein in der eingesparten Arbeitszeit. Röntgen-Bauteilzähler können Bestandteil eines durchgängigen Materialmanagements sein.
Werden die ermittelten Mengen direkt an ERP- oder MES-Systeme übertragen, lassen sich Bestände unmittelbar korrigieren und neue Etiketten ausgeben. Damit sinkt das Risiko, dass die digitale Bestandsangabe von der tatsächlich vorhandenen Menge abweicht.
Das erleichtert unter anderem:
- die Kontrolle im Wareneingang
- die Vorbereitung von Fertigungsaufträgen
- die Rückbuchung angebrochener Rollen
- Inventuren
- die Vermeidung ungeplanter Materialengpässe
Gleichzeitig entfällt das Ab- und erneute Aufwickeln der Rollen. Das reduziert die Handhabung und damit auch das Risiko, Bauteile, Gurte oder Verpackungen zu beschädigen oder zu verunreinigen.
Wann ist ein solches System sinnvoll?
Ein Röntgen-Bauteilzähler lohnt sich vor allem dort, wo regelmäßig viele Rollen gezählt werden, häufige Materialbewegungen stattfinden oder eine möglichst aktuelle Bestandsführung wichtig ist.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die reine Zählgeschwindigkeit. Vor einer Investition sollte auch geprüft werden, welche Gebinde und Bauteilgrößen verarbeitet werden müssen, wie viele Rollen täglich anfallen und wie gut sich das System in die vorhandene Materialwirtschaft integrieren lässt.
Denn am Ende ist ein Röntgen-Bauteilzähler vor allem eines: ein Werkzeug, um physische Bauteilbestände und digitale Bestandsdaten zuverlässig zusammenzubringen.

